Klimapolitik und Wissenschaft

5 Jahre Pariser Klimaabkommen: Happy Birthday?

Beitrag von Susanne Nawrath und Lena Sophie Rehe

Das Pariser Klimaabkommen feiert Jubiläum: doch was ist seither passiert? Wie gut steht Deutschland im internationalen Vergleich dar? Klimaschutz und USA – passt das zusammen? Wie verhalten sich vom Klimawandel betroffene Regionen? Und kann man den Klimawandel überhaupt noch mildern?

Vor gut 5 Jahren haben sich die Länder der Vereinten Nationen im Übereinkommen von Paris auf einen globalen Rahmen zur Bekämpfung des Klimawandels verständigt. Hierbei dient das Abkommen als eine verbindliche Grundlage für die einzelnen Länder und wird seither als Wende in den internationalen Bemühungen rund um den Klimaschutz bezeichnet. Es schreibt ihnen dabei aber keine konkreten Ziele vor, vielmehr sind die Länder dazu aufgefordert, die gemeinsamen Ziele in eigener Regie zu erreichen. Neben der Senkung der Emissionen und der damit verbundenen Beschränkung des globalen Temperaturanstiegs auf 2 °C (besser 1,5 °C) wird auch die Stärkung der Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel als gleichwertiges Ziel betrachtet.

Deutschland im internationalen Vergleich

Deutschland trägt als Industrienation eine besondere Verantwortung für den weltweiten Klimawandel. In dem vom Germanwatch, CAN International und dem NewClimate Institute veröffentlichten Klimaschutz-Index (KSI) von 2019 zeigen sich jedoch die nationalen eher mäßigen Bemühungen. Hier belegt Deutschland lediglich den 23. Platz. Andere Länder unternehmen sehr viel größere Anstrengungen. Das Klimaschutzprogramm 2030, mit dem Ziel 55 Prozent weniger Treibhausgase im Vergleich zum Jahr 1990 zu verbrauchen, der deutschen Bundesregierung ist zwar schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung aber noch lange nicht ausreichend.

 „The United States will withdraw from the Paris Climate Accord“


Donald Trump, US-Präsident, Juni 2017

Der offizielle Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen im November 2020 hat für viel Diskussion gesorgt. Ein befürchteter Dominoeffekt ist aber zum Glück ausgeblieben – weltweit hält man weiterhin beim Klimaschutz zusammen. Der Ausstieg spiegelt jedoch die Klimapolitik von Präsident Donald Trump wider. In den USA gibt es so gut wie keine nationalen Ziele zur Reduzierung der hohen Emissionen, deshalb liegt das Land auch im KSI auf dem letzten Platz. Die wichtigen Bemühungen finden auf Ebene der Bundesstaaten statt, wo einige ihre eigenen Klimaschutzziele verfolgen. Die USA gehört zu einem der Länder mit dem höchsten Emissionsausstoß, was die Umsetzung der Pariser Ziele für die anderen Vertragsparteien umso schwieriger macht.

Doch es gibt Hoffnung!

„The effects of climate change are real and must be acted on “.


Joe Biden (als Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika), Mai 2014

Neben den Bemühungen einiger Bundesstaaten zeigen sich auch Unternehmen und Kommunen in der „We Are Still In“-Initiative engagiert für den Klimaschutz. Auch die Wahl des neuen Präsidenten Joe Biden gibt Hoffnung: Er hat bereits angekündigt, dem Pariser Klimaabkommen erneut beizutreten. Der Demokrat zeigt sich als „Klimaaktivist“ und strebt sogar Klimaneutralität der Vereinigten Staaten an. Für seine Klimaschutzmaßnahmen sollen während seiner Amtszeit ganze zwei Billionen Dollar aufgewendet werden.

Von Paris nach Samoa

Die vom Klimawandel stark betroffenen Länder, wie beispielsweise kleine Inselstaaten, sind bei den Klimaverhandlungen oft sehr ambitioniert. So sind schließlich sie es, die die Auswirkungen des Klimawandels am härtesten zu spüren bekommen und auch bereits spüren. Das Pariser Abkommen wurde daher als großer Erfolg gefeiert. Umso erschütternder ist die Tatsache, dass lediglich 16 der 197 Vertragsparteien genug ehrgeizige Ziele aufgestellt haben, um die Inhalte des Klimaabkommens auch zu erfüllen, so eine im Vorfeld der UN-Klimakonferenz COP24 in Kattowitz veröffentlichte Studie. Zu diesen Ländern gehört auch unsere Reisestation Samoa. Samoa ist bereits der ständigen Bedrohung des Klimawandels ausgesetzt: Meeresspiegelanstieg, veränderte Temperaturen, Versalzung der Böden, Korallenbleiche – die Liste ist lang! Hierbei zeigt sich: die Opfer des Klimawandels sind meist nicht die Verursacher und deshalb ist der Klimawandel auch eine Frage von Gerechtigkeit und vor allem von Solidarität. Das nächstgelegene Atoll Tokelau mitten im Pazifik ist sogar Vorreiter in Sachen Klimaschutz: als erster Staat überhaupt versorgt sich die Insel zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien und das bereits seit 2012. Die Bewohner dort wissen genau, wer die Hauptverursacher der globalen Erderwärmung sind, doch trotzdem gehen sie entschlossen mit gutem Beispiel voran und versuchen ihre Botschaft in die Welt zu tragen.

Ist das 1,5 °C Ziel überhaupt noch erreichbar?

Es war entscheidend, dass die Länder in Sachen Klimapolitik Handlungswillen gezeigt haben, aber jetzt ist es umso dringender, auch die Versprechen einzuhalten und Verantwortung zu übernehmen. Bisher reichen die vorgelegten Klimaschutzpläne noch nicht aus, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Doch laut eines Sonderberichts des Weltklimarats von 2018 ist das Erreichen des 1,5 °C Ziels immer noch möglich. Hierfür müsste der Treibhausgasausstoß noch vor 2030 deutlich sinken und 2050 gegen null laufen.

Dürresommer, Hitzewellen und sterbende Wälder haben viele Bürger aufgeschreckt. Dies geht auch aus einer aktuellen Eurobarometer- Umfrage der Europäischen Kommission hervor: etwa 93 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger sehen den Klimawandel als ein „ernstes“ Problem an. Deshalb waren 2019 allein rund 1,4 Millionen junge Menschen im Rahmen von „Fridays for Future“ auf den deutschen Straßen, um den Druck auf die Regierung zu erhöhen. Sie beklagten das „Ignorieren“ des Pariser Klimaabkommens und fordern die Bundesregierung auf, vernünftige Klimapolitik zu praktizieren. Das Wort „ignorieren“ ist vielleicht ein überspitze Formulierung, aber Maßnahmen, wie beispielsweise die Inbetriebnahme des Kohlekraftwerks Datteln 4 im Mai 2020 oder die geplante Abholzung des Dannenröder Waldes für eine neue Autobahn lassen die Jugendlichen an der Politik zweifeln. Seit der Corona-Pandemie zeigt sich jedoch, dass die Politik sehr wohl in der Lage ist, auf wissenschaftliche Erkenntnissen zu hören und darauf zu vertrauen. Die Politik beweist gerade, dass es möglich ist, schnell zu handeln und Krisen solidarisch zu managen. Dieses Engagement wird sich hoffentlich bald auch in der Klimakrise wiederfinden.

5 Jahre Pariser Klimaabkommen: Happy Birthday?
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