Klimapolitik und Wissenschaft

Corona: Was bedeutet die Pandemie für das Klima?

(Foto: Lukas Werkmeister, Ausschnitt, CC BY 4.0)

Schulschließungen, Ausgangssperren, Begegnungsverbote und Reisebeschränkungen – die Corona-(COVID-19-) Pandemie betrifft inzwischen einen Großteil der Weltbevölkerung. Die Maßnahmen beeinträchtigen den Alltag und sind deutlich spürbar. Selbst die für Dezember in Glasgow geplante nächste Weltklimakonferenz, auf der weitergehende Maßnahmen zur Einhaltung des 1,5°C-Ziels besprochen werden sollten, ist in Gefahr. Doch wie wirkt sich die Krise sonst noch auf den Klimaschutz aus?

Emissionsrückgang durch die Pandemie

In China waren die Auswirkungen der Pandemie zuerst sichtbar. Die Stickstoffdioxidemissionen sind großräumig deutlich zurück gegangen gegenüber dem entsprechenden Zeitraum im vergangenen Jahr. Inzwischen zeigt sich dieser Effekt auch in anderen Regionen der Welt. Nämlich dort, wo die Menschen mehr zuhause bleiben, wie in Norditalien.

Stickstoffdioxid (NO2) wird bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen, wie Kohle, Öl oder Gas, erzeugt. Es entsteht also in der Industrie und im Verkehr, und weil es sich gut messen lässt, wird es als Indikator für die Luftqualität verwendet. Stickstoffdioxid ist giftig, und kann in der Luft zur Bildung von Ozon und Feinstaub führen. Es ist praktisch der Auslöser für den Dieselskandal der deutschen Autoindustrie.

Obwohl Stickstoffdioxid kein Treibhausgas ist, entsteht es gleichzeitig mit anderen Treibhausgasen, insbesondere Kohlendioxid (CO2). Ein deutlicher Rückgang der NO2-Emissionen zeigt damit auch einen deutlichen Rückgang der CO2-Emissionen an.

Die Corona-Pandemie wird also sehr wahrscheinlich zu einem Rückgang der Treibhausgasemissionen führen. Wie groß dieser sein wird, hängt vom weiteren Verlauf der Pandemie ab, und wie wir damit umgehen. In China startet die Produktion in vielen Fabriken bereits wieder. In den USA dagegen wurden gerade erst umfangreichere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ergriffen. Es gibt dort aber große Unterschiede zwischen den Bundesstaaten, was es noch schwieriger macht abzuschätzen, wie viele Treibhausgasemissionen dadurch vermieden werden.

Dieser Rückgang wird nach der Pandemie vermutlich auch nicht lange anhalten, da er auf vorrübergehenden Maßnahmen beruht. Auch bei der Wirtschaftskrise von 2008 gab es nur einen sehr geringen, kurzen Rückgang der Treibhausgasemissionen. Danach sind sie weiter wie vorher angestiegen. Damals waren aber vor allem die Banken und große Konzerne betroffen, die mit massiven Hilfen unterstützt wurden. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie treffen auch, und besonders, unzählige kleine Firmen, Geschäfte, Hotels und touristische Einrichtungen, wie das Klimahaus. Ein weiterer Faktor, der die Folgen schwer absehbar macht.

Umgang mit der Pandemie

Wie sich die Folgen der Pandemie langfristig auf die Treibhausgasemissionen auswirken werden, ist daher noch nicht abzusehen. Insbesondere hängt es davon ab, an welche Bedingungen mittel- bis langfristige Hilfszahlungen geknüpft werden.

Ein Negativbeispiel ist die Abwrackprämie, die nach der Krise 2008 die Autoindustrie unterstützen sollte. Damals wurde darauf verzichtet, die Prämie an Bedingungen zu knüpfen. Eine obere Grenze für den Treibstoffverbrauch der geförderten Fahrzeuge hätte dazu beitragen können, die Treibhausgasemissionen in Deutschland messbar zu senken. Diese sind in den vergangenen Jahren vor allem durch einen Anstieg der Emissionen aus dem Straßenverkehr kaum zurück gegangen.

Unter dem Eindruck des europaweit und in vielen Städten und Staaten ausgerufenen Klimanotstands sollten solche fehlgeleiteten Hilfszahlungen eigentlich nicht mehr möglich sein! Auch wenn es nicht rechtlich bindend ist, wurde zum Beispiel im EU-Parlament beschlossen dass alle politischen Entscheidungen in Bezug auf den Klimaschutz betrachtet werden sollen. Neben Hilfen für die Autoindustrie, könnten zum Beispiel Hilfen für Fluggesellschaften und Kreuzfahrtunternehmen an strengere Auflagen gebunden werden. Sonst besteht die Gefahr, dass jetzt investierte Steuergelder so genutzt werden, dass sie in Zukunft – durch die Folgen der Klimaerhitzung – weitere Kosten verursachen werden.

Begrenzte Geldmittel

Einige Experten befürchten, dass das Geld, das für den Umgang mit der Pandemie benötigt wird, hinterher nicht mehr für Klimaschutzmaßnahmen zur Verfügung steht, zumindest außerhalb der Europäischen Union. Für Europa sollte das nicht gelten. Frans Timmermans, Vizepräsident und Kommissar für Klimaschutz der Europäischen Kommission, betont, dass der europäische „New Deal“ zum Klimaschutz extra dafür geschaffen wurde, damit kurzfristigere Probleme nicht von dieser langfristigen Herausforderung ablenken.

In vielen Ländern bietet sich jetzt die Möglichkeit, den schon länger angekündigten und noch nicht umgesetzten Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe anzugehen. Der durch die Pandemie gesunkene Ölpreis würde dies leichter machen.

Der Umgang mit der Pandemie als Vorbild

Der zum Teil sehr entschlossene Umgang mit der Pandemie zeigt, dass politische Entscheidungen basierend auf wissenschaftlichen Empfehlungen getroffen werden können. Außerdem wird deutlich, dass viele Menschen diese Entscheidungen akzeptieren und aus Solidarität mit Schwächeren dazu bereit sind, ihr Verhalten zu ändern. Beides ist auch im Umgang mit der Klimaerhitzung notwendig. Genauso wie die Pandemie, lässt sich die Gefährdung unserer Lebensgrundlagen durch Klimaveränderung nicht wegdiskutieren, da sie auf naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten beruhen.

Auch wenn die Pandemie nur zu einem kurzfristigen Rückgang der Emissionen führt, können wir hoffen, dass wir sie als Chance für weitreichende Veränderungen nutzen. Damit wir auch langfristig die Klimaerhitzung begrenzen und die Lebensgrundlagen für so viele Menschen wie möglich auf der Erde erhalten können. Die dafür notwendigen Verhaltensänderungen wären weniger drastisch als die, die jetzt zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie notwendig sind.

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