Klimahaus auf Reise

Die Reise beginnt!

8°34‘ östlicher Länge, 54°38‘ nördlicher Breite. In der Kookenstuv auf Hallig Langeneß ist es mollig warm. Draußen pfeift der Wind um die reetgedeckten Dächer. Auf den Wiesen rund um die Ketelswarf steht noch immer das Wasser vom letzten Land unter und man bekommt die Spur einer Ahnung wie es ist, wenn bei Sturmflut nur noch die erhöht stehenden Häuser aus der Nordsee gucken. Willkommen in unserem Blog und willkommen auf einer Reise um die Welt. Schön, dass du dabei bist, wenn wir mit Axel Werner, dem Reisenden vom Klimahaus wieder auf unserem Längengrad unterwegs sind.

Heute hat sich Virginia Karau, die die urige Kookenstuv betreibt, das tatsächlich einer „guten Stube“ gleicht und in der der Kuchen genauso lecker ist, wie der Pharisäer, in ihre Tracht geworfen.  Weil sie Traditionen mag und vielleicht auch ein wenig, weil wir heute mit dem Kamerateam vom Klimahaus da sind.

Kamera ab!

Ich als Tonmann.

Die Kameras laufen – schade, dass es dieses beruhigende Surren nicht mehr gibt. Wir sind im 4K-Zeitalter. Den Tonmann freut’s, wenn nur nicht die dicke Standuhr in der Ecke wäre. Heute halte ich das Mikro an der langen Stativangel und stemme mich mit meinem Oberkörper gegen die Kraft des langen Hebels. Morgen hab ich „Rücken“!

Virginia ist vor vielen Jahren aus Kassel zugezogen. Sie berichtet von ihrem Leben auf der Hallig, von ihren drei Töchtern, dem Geschäft und von Land unter. Nein, Angst hat sie nicht, aber Gedanken wegen des steigenden Meeresspiegels macht sie sich schon. „Ich weiß nicht, ob ich in 10 oder 15 Jahren noch hier leben werde.“

Bruno Petersen mit seiner Teufelsgeige.

Dann gibt es ein Stelldichein. Virginia, diplomierte Musikerin, greift zum Akkordeon. Bruno Petersen, Ur-Langeneßer und größter (und einziger) Taxiunternehmer auf der Hallig hat seine Teufelsgeige mitgebracht. Viel schriller kann ein Ensemble kaum sein. Ich, immer noch die Kopfhörer des Ton-Fuzzis auf, drehe wie wild an den Pegel-Knöpfen. Aber die tonale Abstimmung der beiden Instrumente kann auch die Technik nicht leisten. Egal. Der Funke springt trotzdem über.

Zu echt ist auch nicht gut.

Axel, der sich – was selten ist – bis hierhin zurückgehalten hat, kann nicht mehr innehalten. Er greift zur Gitarre, die eben noch an einem Nagel an der Wand hing. „… deine Heimat ist das Meer, deine Freunde sind die Sterne …“.  Damit trifft er offensichtlich den richtigen Takt, denn Bruno lässt es sich nun seinerseits nicht mehr nehmen, Virginia zum Tanz durch die enge Kookenstuv zu bitten.

„Wann habt Ihr Euch das denn ausgedacht?“, frage ich ungläubig Kameramann Alessandro in der Annahme unter meinen Kopfhörern irgendetwas nicht mitbekommen zu haben, als wir die Technik im Kofferraum verstauen. „Gar nicht, das war spontan!“, ist die trockene Antwort. „Wo wollen wir das zeigen?“ „Gar nicht, das sah zu gestellt aus!“

Die Reise beginnt!
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