Klimapolitik und Wissenschaft

Greta und wer noch? — Klimaaktivismus weltweit

Was wir tun und was wir nicht tun

Greta Thunberg gilt als DIE Klimaaktivisten und sorgte im vergangenen Jahr bei Beiträgen in den Nachrichten, Meldungen in Tageszeitungen und Hasskommentaren in sozialen Netzwerken für Gesprächsstoff. Viele waren inspiriert, einige schon genervt. Die von Thunberg initiierten Schulstreiks für das Klima wuchsen zur globalen Bewegung „Fridays for Future“ (FFF) heran. In den Medien schien es nur eine Klimaschutzaktivisten auf der Erde zu geben.

Weiter als der Tellerrand

Allerdings gibt es weltweit viele Einzelpersonen oder Organisationen, welche durch verschiedene Maßnahmen und Herangehensweisen zum Schutz der Umwelt beitragen und gegen den Klimawandel ankämpfen — auch schon vor Greta Thunberg. Dazu müssen wir lediglich etwas weiter über den Tellerrand schauen. Schon viele Jahre vor „Fridays for Future“ begeisterte Felix Finkbeiner viele junge Menschen für den Klimaschutz. 2007 hatte der Schüler aus Deutschland die Idee, dass Kinder viele Bäume auf der Erde pflanzen und zu einer besseren Umwelt beitragen können. Das Projekt „Plant for the Planet“ war geboren, dem sich weltweit junge Menschen anschlossen.

Müssen wir erst klagen bis etwas passiert?

Eine radikalere Alternative, als Bäume zu pflanzen, bieten die vielzähligen Klagen gegen Regierung, Land oder Staat. Weltweit wächst die Zahl der Menschen, welche sich gegen die mangelhaften Klimaschutzbemühungen von Unternehmen Staaten wehren. Die weitaus meisten Verfahren gab es bislang in den USA, seit dem Jahr 1990 wurden 1023 Klimaklagen gezählt (Stand Mai 2019). Ridhima Pandey aus Indien war erst neun Jahre alt, als sie bereits 2017 gegen ihr Land Klage einreichte, da die Administration nicht versuchte, den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen zu begrenzen. Ein erster großer Erfolg auf rechtlichem Neuland konnte nach langwierigem Prozess in den Niederlanden vermerkt werden. Bereits im Jahr 2013 klagten die niederländischen Klimaschützer der Umwelt-Stiftung Urgenda gemeinsam mit 886 weiteren Privatklägern das Land an. Nach Auffassung der Kläger habe der Staat eine Rechtspflicht, anteilig den Beitrag zu den weltweiten Emissionsreduktionen zu leisten, die erforderlich sind, um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten. Erst am 9. Oktober 2018 bestätigte das Zivilgericht in zweiter Instanz, dass die Niederlande die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um mindestens 25 % senken müssen. Gut sechs Jahre nach Einreichung der Klage siegte im Dezember 2019 Urgenda und erhielt Rechtszuspruch vom hohen Rat der Niederlande. Die Nation ist zu raschen Emissionsminderungen verpflichtet, da die Menschenrechte durch die Klimanotlage bedroht seien. Ein Urteil, was lange auf sich warten ließ.

„Ein weiterer schlechter Tag für den Klimaschutz!“

Anton Hofreiter, Grünen-Fraktionschef

In Deutschland gibt es kaum „Klimaklagen“, bis Juli 2019 wurden nur fünf gezählt. Einige Aufmerksamkeit erregte der Fall des peruanischen Bauern Sául Luciano Lliuya. Er forderte 2017, dass RWE einen Teil der Kosten für Schutzmaßnahmen gegen mögliche Überflutungen in seinem Dorf übernimmt. Grundsätzlich kann der Energiekonzern für Klimaschäden angeklagt werden, allerdings läuft noch immer die Phase der Beweisaufnahme. Diese langwierigen Verzögerungen sind leider kein Einzelfall: Es häufen sich mehr und mehr unabgeschlossene Fälle weltweit ohne Konsequenzen für irgendjemanden. Immer neue Ziele werden in Klimapaketen und bei Gipfeln beschlossen, ohne zuvor andere Versprechen und Maßnahmen eingehalten zu haben. Was genau macht die Politik da überhaupt? In Deutschland wurde zuletzt Ende vergangenen Jahres das Klimapaket präsentiert, in dem es mehr um Zahlungen und wirtschaftliches Wachstum, als um Klimaschutz, geht. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sprach hierbei von „einem weiteren schlechten Tag für den Klimaschutz“.

Neuer Inhalt im Klimapaket?

Nachdem die Politik angekündigt hat ganz viel für den Klimaschutz tun, wird das neue „modernste Steinkohlekraftwerk der Welt“ Datteln 4 am Rande des Ruhrgebiets zusätzlich zu den bisher bestehenden Werk gebaut. Schön modern, schön schädlich für die Umwelt. Der BUND rechnet mit mehreren Millionen Tonnen CO2, welche zusätzlich erzeugt werden. War diese Neuheit auch Teil des Klimapakets? Im Sommer soll der neue vierte Block des Kraftwerkes in den regulären Betrieb mit aufgenommen werden. In Anbetracht der globalen Klimaschutzaktivitäten hängen wir zurück — nicht nur in Bezug auf die Nutzung fossiler Brennstoffe. Wie sieht es in den anderen Ländern aus?

Ungenutztes Potenzial

Noch bis vor einigen Jahren galt Brasilien als das Land mit sehr geringen energiebedingten Emissionen. Die Wasserkraft wurde stark ausgebaut, viele Autos fuhren mit dem Biokraftstoff Ethanol. Und jetzt brennen die Wäler, um das Land für Ackerbau zu nutzen. Eigentlich könnte Brasilien einen guten Klimaschutzplan vorweisen, da durch die hohe Sonneneinstrahlung die Solarenergie viel mehr ausgebaut werden könnte. Durch die radikalen Kürzungen beim Klimaschutzetat durch Präsident Bolsonaro bleibt dieses Potenzial leider ungenutzt. Australien gilt mit  62 % Stromerzeugung durch Kohlekraft als eines der schmutzigsten Länder der Welt. Dabei hat der Kontinent die einmaligen geografischen Voraussetzungen, um die komplette Energieversorgung durch Wind- und Sonnenenergie zu betreiben. Der Ausbau der Erneuerbaren läuft bereits, allerdings fehlt bisher eine geeignete Netz- und Speicherinfrastruktur

Viele Länder versuchen zwar auch weltweit zusammenzuarbeiten, haben hierbei allerdings die verschiedensten Interessen. Dabei sollte es doch eigentlich nur um ein Interesse gehen: Klimaschutz! Abschließend lässt sich sagen, dass weltweit mehr getan und geplant wird, als das, was Greta Thunberg macht. Allerdings verpasst die junge Schwedin vielen Menschen einen Klimadenkzettel, der aber noch nicht bei jedem angekommen ist. Seitens der Politik fehlt es an viel Engagement und Tatendrang, um die Bevölkerung wirklich von den Versprechungen zu überzeugen. Also wird es hoffentlich noch weitere Meldungen, Beiträge und Kommentare in den Medien geben, die einige inspirieren und viele nerven. Denn es gibt zum Glück mehr als nur eine Person, die sich für den Klimaschutz einsetzt — und das ganz ohne vorherige Anklage.

Greta und wer noch? — Klimaaktivismus weltweit
Bewerte diesen Beitrag

0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über Ihren Beitrag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>