Klimapolitik und Wissenschaft

K3-Kongress: Vom Reden zum Handeln in der Klimakrise

Alle reden über den Klimawandel. Er begegnet uns in sämtlichen Medien, in der politischen Diskussion, im Büro und beim Abendbrot. Das Thema genießt eine breite öffentliche Aufmerksamkeit und jeder ist mehr oder weniger gut darüber informiert. Also waren die letzten vierzig Jahre Klimakommunikation doch eigentlich ziemlich erfolgreich – oder?

Jein, so die Organisatoren des K3-Kongresses zu Klimawandelkommunikation in ihrer Eröffnungsrede. Zwar habe man es geschafft, die Fakten und Inhalte aus der Wissenschaft in die Gesellschaft zu tragen. Doch die Klimakommunikation hat nach wie vor ein Riesenproblem: Wenn doch offenbar jeder über den Klimawandel und die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen Bescheid weiß – warum handelt dann niemand danach?

Über dieses Dilemma wurde in Karlsruhe Ende September zwei Tage lang unter dem Motto „Klimakommunikation – Klimahandeln – Zukunftsbilder“ diskutiert. Mit dabei waren neben fast fünfhundert Teilnehmern aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz auch einige Promis wie der ARD-Wettermoderator Karsten Schwanke und der Fernsehdoktor Eckart von Hirschhausen
– und ich.

ARD-Meteorologe Karsten Schwanke führte als Moderator durch das Programm und eröffnete den Kongress mit der Vorführung eines Schleuderthermometers. Foto: DKK, Stephan Röhl

Uns alle trieb die Frage um: Wie kommuniziert man den Ernst der Klimakrise und die Notwendigkeit von Veränderungen, ohne Panik- oder Trotzreaktionen hervorzurufen oder die Spaltung der Gesellschaft zu befördern? Wie transportiert man die Botschaft, dass das Thema Klimawandel alles und jeden betrifft und wir jetzt schon handeln müssen, auch wenn wir die Belohnung erst in einigen Jahrzehnten spüren?

Die wichtigste Erkenntnis: Menschen handeln nicht auf der Basis von Wissen. Egal wie gut man die naturwissenschaftlichen Fakten begreifbar macht, sie bewegen nicht zum Handeln. Menschen – auch Politiker – handeln auf der Basis von Werten, Gefühlen, Gewohnheiten, sozialen Strukturen …

Erfolgreiche Klimakommunikation sollte also neben dem naturwissenschaftlichen Hintergrund auch psychologische, soziologische und gesellschaftliche Aspekte berücksichtigen. Aber was heißt das denn jetzt ganz konkret? Aus den Vorträgen und Diskussionen beim K3-Kongress haben sich folgende Ansätze herauskristallisiert:

Positive Zukunftsbilder
Das Thema Klimaschutz muss endlich positiv besetzt werden. Im Gegensatz zu den (vermeintlichen) Nachteilen werden die vielen angenehmen Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen auf unser Leben bisher viel zu wenig kommuniziert. Außerdem brauchen wir mehr optimistische Zukunftsvisionen und Utopien als Alternative zu den bestehenden Weltuntergangsszenarien.

  • Botschaft bisher:
    Klimaschutz bedeutet Verzicht, Verbote und ein Angriff auf deinen jetzigen Lebensstil. Außerdem wird in Zukunft sowieso alles immer schlimmer.
  • besser:
    Klimaschutz sorgt dafür, dass unser Leben in Zukunft gesünder, sozialer und gerechter wird als bisher.
Die Autorin hochkonzentriert bei der Morgeneinstimmung, in der das Zusammenwirken von inhaltlicher Botschaft und Körperspache thematisiert wurde. Foto: DKK, Stephan Röhl

Ressortübergreifende Berichterstattung
Das Thema Klimawandel ist in den Medien derzeit so präsent wie nie zuvor. Oft wird es allerdings unter der Überschrift „Umwelt“ oder „Wissenschaft“ abgehandelt und bleibt auf diese Weise relativ abstrakt und alltagsfern. Es ist deshalb Aufgabe der Klimakommunikation, die übergeordnete Rolle des Themas zu betonen und mit konkreten Querverbindungen und Praxisbeispielen auch in allen anderen Ressorts zu platzieren.

  • Botschaft bisher:
    Klimawandel ist ein Thema von vielen und kann als solches für sich gelöst oder auch ignoriert werden.
  • besser:
    Alles hängt zusammen, jeder ist betroffen und niemand kann sich entziehen.

Unerwartete Vorbilder und Methoden
Spätestens seit dem Rezo-Video müsste allen klar sein, welches Potential in den sozialen Medien für die Klimakommunikation steckt. Dabei ginge es auch darum, von bewährten Formaten abzuweichen und für Kampagnen nicht immer nur die „typischen Vorzeige-Promis“ anzufragen, die sich sowieso schon für alles Mögliche engagieren. Mit überraschenden Influencern ließen sich ganz andere Reichweiten erzielen, so zumindest der Vorschlag vom „typischen Vorzeige-Promi“ Eckart von Hirschhausen.

Eckart von Hirschhausen wies in seinem Vortrag auf die entscheidende Rolle von geeigneten Influencern hin. Foto: DKK, Stephan Röhl

Andere Methoden, neue Gesichter und überraschende Formate: Im Verlauf der zwei spannenden und ergiebigen Kongresstage wurde deutlich, dass von den Akteuren der Klimawandelkommunikation – und dazu gehören auch wir hier am Klimahaus – sehr viel Kreativität und der ein oder andere Blick über den Tellerrand gefordert ist.

K3-Kongress: Vom Reden zum Handeln in der Klimakrise
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