Klimapolitik und Wissenschaft

Klimapolitik – wo stehen wir? Der Weg nach Glasgow

Ian Dick

 

Im vergangenen Jahr durften wir noch das zehnjährige Jubiläum des Klimahauses mit vielen Veranstaltungen feiern. Jetzt sieht die Welt ganz anders aus. Die für November im schottischen Glasgow geplante Klimakonferenz musste wegen der Coronakrise verschoben werden. Diese Konferenz stellt einen wichtigen Umbruch in den weltweiten Klimaverhandlungen dar, da 2020 offiziell das Kyoto-Protokoll endet und das Paris-Abkommen beginnt.

Kyoto-Protokoll

Das Kyoto-Protokoll war das erste internationale Klimaabkommen. Es wurde 1997 vereinbart, trat allerdings erst 2005 offiziell in Kraft, nachdem Russland es ratifiziert hatte, die USA aber nicht. Im Zeitraum von 2008 bis 2012 sollten 36 Industrieländer und die EU durchschnittlich 5 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 einsparen. Damals waren die Emissionen der sogenannten Schwellenländer wie China und Indien noch so gering, dass es nicht durchsetzbar war, sie in das Abkommen einzubinden. Obwohl die vereinbarten Minderungen eingehalten wurden, stiegen die Emissionen in anderen Ländern in diesem Zeitraum so stark, dass sich die Treibhausgasemissionen insgesamt weiter erhöhten.

Im Jahr 2009, bei der internationalen Klimakonferenz in Kopenhagen, sollte daher ein neues Abkommen beschlossen werden, das alle Länder der Welt in die Verpflichtungen einschließt. Die Konferenz mit etwa 27.000 Delegierten, darunter viele Staats- und Regierungschefs, scheiterte spektakulär. Es kam nur zu einer Vereinbarung, die Erwärmung auf weniger als 2 °C über der vorindustriellen Temperatur zu begrenzen. Diese wurde aber von den Delegierten nicht verabschiedet, sondern nur zur Kenntnis genommen.

2 °C-ZIEL

Das 2 °C-Ziel ist eine Konkretisierung des Ziels der ursprünglichen Klimarahmenvereinbarung (UNFCCC) von 1992. Die Treibhausgasemissionen sollen so stabilisiert werden, dass eine „gefährliche Beeinträchtigung des Klimas durch die Menschen“ verhindert wird. Zwei Jahre nach der Konferenz in Kopenhagen, bei der Konferenz in Durban 2011, wurde das 2 °C-Ziel dann wirklich verabschiedet. Die Abschlusserklärung der Konferenz in Durban enthielt sogar die Forderung zu überprüfen, ob eine Begrenzung auf unter 1,5 °C notwendig ist, um besonders gefährdete Staaten zu schützen. Im Pariser Abkommen 2015 ist dann die Rede von „deutlich unter 2 °C, möglichst nur 1,5 °C“, mit einer Aufforderung an den Weltklimarat (IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change), die unterschiedlichen Folgen bei 1,5 °C Erwärmung und 2 °C Erwärmung zu erforschen. Daraus entstand der Bericht des IPCC zum 1,5 °C-Ziel, der im Oktober 2018 veröffentlicht wurde. Dieser zeigt deutlich, dass eine Erwärmung von 2 °C hunderte Millionen Menschen mehr gefährden würde als eine Erwärmung um 1,5 °C. Er zeigt auch, dass wenn wir unter 1,5 °C Erwärmung bleiben wollen, die weltweiten menschengemachten Treibhausgasemissionen bis spätestens 2030 halbiert sein und bis 2050 praktisch verschwinden müssen. Dies erfordert schnelle und umfassende politische Maßnahmen, die Veränderungen in allen Sektoren ermöglichen, z.B der Energieerzeugung, der Mobilität, des Wohnungsbaus und der Landwirtschaft.

Von Kyoto nach Paris

Da 2009 noch kein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll beschlossen wurde, gingen die Verhandlungen Jahr für Jahr weiter, während gleichzeitig die Folgen der Erwärmung Jahr für Jahr sichtbarer wurden. Bereits 2010 wurde ein neuer globaler Temperaturrekord aufgestellt, genauso wie in den Jahren 2014, 2015 und 2016. Die Ausdehnung des arktischen Meereises im September erreichte 2012 ihr bisheriges absolutes Minimum, und war in den folgenden Jahren bis heute nur wenig höher.

2010 im mexikanischen Cancún, wurde das Kyoto-Protokoll zunächst zwei Jahre verlängert, und 2012 in Doha (Quatar) dann bis 2020 mit neuen Verpflichtungen zur Emissionsminderung für die meisten Industrieländer. Das sogenannte Doha Amendment (als Anhang zum Kyoto-Protokoll) trat nie offiziell in Kraft, da sich ihm bisher nur 137 Staaten (von 144 notwendigen) angeschlossen haben. Die versprochenen Emissionsminderungen wurden daher auch von den Staaten, die ihnen zugestimmt hatten, wie Deutschland, nicht sehr ernst genommen. Die weltweiten Emissionen stiegen weiter. Nur die wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Coronakrise könnten dazu führen, dass die meisten Staaten dieses Jahr noch maßgeblich ihre Emissionen reduzieren werden.

Abkommen von Paris

Bei der Klimakonferenz in Durban, im Jahr 2011, wurde neben der Erwähnung des 1,5 °C-Ziels auch vereinbart, dass ein neues Abkommen im Jahr 2015 beschlossen werden und 2020 in Kraft treten soll. Tatsächlich ist das Abkommen von Paris 2015 durch geschickte zwischenstaatliche Initiativen zustande gekommen, unter anderem durch ein bilaterales Klimaabkommen zwischen den USA und China im Jahr 2014. Das Paris-Abkommen, das wegen der großen Zustimmung sogar schon 2016 in Kraft trat, gilt für alle Länder der Welt. Es schreibt ihnen aber keine konkreten Einsparungsziele vor. Das gemeinsame 1,5 °C- bzw. 2 °C-Ziel soll durch freiwillige Selbstverpflichtungen aller Länder erreicht werden. Die bisher versprochenen Einsparungen reichen allerdings nur für eine Begrenzung der Erwärmung auf 2,8 °C, die bisher weltweit verabschiedeten Gesetze sogar nur für 3 °C.

Glasgow

Damit das 1,5 °C – 2 °C-Ziel noch erreichbar bleibt, sollten alle Länder in diesem Jahr bei der geplanten Konferenz in Glasgow neue selbst gesteckte Ziele vorlegen. Vor diesem Hintergrund ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass die Konferenz verschoben werden musste. Es gibt die Hoffnung, dass durch einen Regierungswechsel in den USA das Thema Klima dort wieder einen höheren Stellenwert bekommt, und der angekündigte Austritt aus dem Abkommen von Paris wieder rückgängig gemacht wird. Ein ambitioniertes Einsparungsziel der USA könnte auch andere Länder motivieren, ihre Ziele zu verschärfen.

Foto: Ian Dick

Klimapolitik – wo stehen wir? Der Weg nach Glasgow
Bewerte diesen Beitrag

0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über Ihren Beitrag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>