Klimahaus auf Reise

Klimawandelzeuginnen vom anderen Ende der Welt im Expertenaustausch

Direkt im Vorfeld des zehnten Klimahausgeburtstags besuchten Jewel Tuitama Toloa und ihre Schwester So’oletaua Te Malino Toloa am 24. und 25. Juni gemeinsam mit Klimahaus-Geschäftsführer Arne Dunker die UN-Klimakonferenz in Bonn.

Jewel Tuitama Toloa arbeitet als Disaster Risk Managerin für die Samoa Disaster Management Unit im Ministry of Climate, Oceans and Resilience des Inselstaats Tokelau und Samoa im Südpazifik.

Die Familie Toloa stammt ursprünglich von diesem nur aus 3 Atollen bestehenden Inselstaat mit nicht mehr als 1500 Einwohnern. Beide Samoanerinnen sind Zeitzeugen des Klimawandels und von Beginn an Freunde des Klimahauses.

Arne Dunker, als Vorstand der Deutschen KlimaStiftung mit einem Beobachterstatus für die Konferenz ausgestattet, konnte auf der Konferenz gemeinsam mit den Vertreterinnen aus dem Südpazifik auf die Folgen des Klimawandels insbesondere für die kleinen Inselstaaten hinweisen.

Besuch beim IPCC

Bereits am nächsten Tag, dem 26. Juni, folgte ein Arbeitstreffen mit der Arbeitsgruppe II des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) in Bremen. Der IPCC  ist eine Institution der Vereinten Nationen. In seinem Auftrag tragen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit den aktuellen Stand der Klimaforschung zusammen und bewerten anhand anerkannter Veröffentlichungen den jeweils neuesten Kenntnisstand zum Klimawandel.

Klimahauszeitzeuginnen Jewel und So’oletaua Toloa besuchen das IPCC in Bremen

Beide Seiten bewerteten den Austausch als sehr wertvoll. Die WissenschaftlerInnen um den IPCC-Co-Chair, Prof. Hans-Otto Pörtner, zeigten sich sehr beeindruckt von den unmittelbaren Erfahrungsberichten aus dem Südpazifik. Tokelau leidet insbesondere unter der Zunahme von Zyklonen sowie dem Meeresspiegelanstieg, da es sich um eine sehr flache Inselgruppe handelt. Aber auch längere Dürreperioden stellen für die dortige Trinkwasserversorgung ein gravierendes Problem dar.

Treffen mit dem ZMT

Die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Korallenriffe sowie die Schutzwirkungen von Neuanpflanzungen von Mangroven standen im Mittelpunkt des anschließenden Gesprächs zwischen Arne Dunker, Jewel und So’oletaua Toloa, dem Leiter der Aquaristik und Terraristik des Klimahauses, Dr. Lutz Fischer und Prof. Dr. Martin Zimmer vom ZMT (Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung) in Bremen, dem dortigen Arbeitsgruppenleiter für Mangrovenökologie.

Bei diesem Treffen ging es um einen Austausch mit dem Ziel einer gegenseitigen, zukünftigen Hilfestellung. Auf Samoa werden Mangroven direkt am Ufer gepflanzt. Dies dient vornehmlich als Kinderstube der Fischbrut, die Schutz im Wurzelgeflecht der Pflanzen suchen. Während der Gespräche zeigte sich der Vertreter des ZMT, das bisher im Inselstaat Samoa noch nicht gearbeitet hat, überrascht von der Tatsache, dass Mangroven dort mehr Ansiedlung von Fischen dienen und weniger im so wichtigen Küstenschutz eingesetzt werden. Hier sieht der deutsche Experte großes Potenzial bei der Entwicklung der Pflanzen.

Nachdem die Klimazeuginnen aus Samoa von dem beobachteten Phänomen des Verschwindens der Mangroven und dem gleichzeitigen Verschwinden der Seegurken berichteten, äußerten die deutschen Wissenschaftler die Vermutung, dass es vor allem das Schwinden der Mangrovenwurzeln ist, die für die Anreicherung nährstoffreicher Sedimente verantwortlich sind und von denen sich Seegurken wiederum ernähren.

Prof. Dr. Zimmer stellte den Samoanerinnen ferner Hilfe bei der Vermittlung weiterer Kontakte, auch speziell zu Riffökologen, in Aussicht.

Klimawandelzeuginnen vom anderen Ende der Welt im Expertenaustausch
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