Klimapolitik und Wissenschaft

Neuer IPCC-Bericht: Die Zukunft liegt in unseren Händen

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Viele Menschen haben auf die neuen Ergebnisse der Arbeitsgruppe I des IPCC gewartet und am Montag war es so weit. In dem ersten Teil des Berichts steht, dass der Mensch das Klima definitiv beeinflusst und den Planeten nachhaltig verändert hat. Aber es wird auch deutlich, dass der Kurs noch geändert werden kann, wenn wir jetzt handeln. Schauen wir uns den IPCC und die Ergebnisse mal etwas genauer an.

Was ist der IPCC überhaupt?

IPCC ist die Abkürzung für Intergovernmental Panel on Climate Change, auf Deutsch heißt das so viel wie „Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen“ oder in kurz: Weltklimarat.

Gegründet wurde der Rat mit Hauptsitz in Genf, Schweiz, im November 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen und der Weltorganisation für Meteorologie. Der IPCC ist eine wissenschaftliche und zwischenstaatliche Institution mit der Aufgabe, regelmäßig Berichte über den aktuellen Status des Klimawandels herauszugeben und Handlungsoptionen vorzuschlagen. Die Fachleute betreiben keine eigene Forschung, stattdessen werden in diesen Berichten zahlreiche Studien zusammengefasst, die Verlässlichkeit der Ergebnisse bewertet und mögliche Handlungen dargestellt.

Folglich liefert der Weltklimarat wissenschaftliche Grundlagen für Entscheidungen, die sie selbst nicht fällen. Die Entscheidungsbefugnis bleibt bei der Politik.

Insgesamt sind 195 Länder Mitglied im Rat, die an bislang fünf Sachstandsberichten (im Englischen: Assessment Report, mit AR abgekürzt) beteiligt waren. Aktuell wird am sechsten Bericht gearbeitet, dessen finale Version im September 2022 veröffentlicht werden soll. Zusätzlich gab es bisher 10 Sonderberichte.

Wie entsteht ein IPCC-Bericht?

Ein Sachstandsbericht besteht aus insgesamt drei Bänden, die alle unterschiedliche Themenstellungen bearbeiten und von einer Arbeitsgruppe (im Englischen: Working Group, mit WG abgekürzt) bearbeitet werden:

  • WG I: naturwissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels
  • WG II: Verwundbarkeit von Systemen durch den Klimawandel, die Folgen und Möglichkeiten der Anpassung
  • WG III: mögliche Optionen zur Minderung des menschengemachten Klimawandels

Die dargestellten Ergebnisse und Aussagen sind wissenschaftlicher Konsens. Das bedeutet, dass sich auf die dargestellten Tatsachen und deren Bewertung geeinigt wurde und von der Mehrheit vertreten wird. Sollte eine Einigung mal nicht realisierbar sein, wird dies auch deutlich geschrieben.

In jeder Arbeitsgruppe sitzen mehrere Hundert unabhängige Fachleute aus 90 Ländern, die von jeweils zwei gewählten Vorsitzenden geleitet werden. Allein am ersten Band haben mehr als 230 Fachleute mitgewirkt. Sie alle arbeiten ehrenamtlich für mehr als drei Jahre an dem tausendseitigen Bericht. Dafür lesen und bewerten die Expert*innen Fachliteratur aus den vergangenen Jahren. Die Themen der Berichte, Fragestellungen und auch die Autorenschaft werden vorgeschlagen, u.a. von Regierungen oder Beobachterorganisationen. Letztendlich wählen die Vorstände und Arbeitsgruppen, wer bei dem Bericht mitmacht.

Bevor der Bericht offiziell verabschiedet wird, durchläuft er ein mehrstufiges Begutachtungsverfahren durch weitere Fachleute und später auch Regierungen. Jeder Kommentar und jede kleinste Änderung werden gründlich belegt.

Junge Menschen protestieren beim globalen Klimastreik in Stockholm.
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Aktueller Stand der Dinge

Mehr als 14.000 Einzelstudien flossen auf fast 4000 Seiten in den ersten Teil des neuen Sachstandberichts ein, welcher am Montag vorgestellt wurde. Alle Aussagen von WG I darzustellen, würde diesen Blog-Beitrag sprengen, daher werden hier ein paar wenige zusammengefasst:

  1. Die Menschheit beeinflusst unbestreitbar das Klima.
  2. Die Erde wurde verändert und einige der Änderungen sind nicht mehr umkehrbar.
  3. Die Durchschnittstemperatur an der Erdoberfläche beträgt bereits +1,1 °C.
  4. Die CO2-Konzentration hat den höchsten Stand seit mindestens 2 Millionen Jahren.
  5. Der Meeresspiegel steigt mit der schnellsten Rate seit mindestens 3000 Jahren.
  6. Das Meereis in der Arktis hat den niedrigsten Stand seit mindestens 1000 Jahren.
  7. Der Gletscherrückgang ist beispiellos stark wie seit mindestens 2000 Jahren nicht mehr.

Was passiert in Zukunft?

In einem IPCC-Sachstandsbericht werden verschiedene Modelle und Emissionsszenarien durchgespielt, also ob die jährlichen Treibhausgasemissionen in Zukunft eher so bleiben oder sogar noch höher ausfallen werden und in welchem Zeitrahmen dies stattfinden wird. Da stets auch der „Unsicherheitsfaktor“ Mensch in die Modelle einfließen muss, ist es nicht möglich, eine endgültige Prognose abzugeben. Es ist aktuell zum Beispiel nicht bekannt, wann die Treibhausgasemissionen Netto-Null sein werden. Je nachdem welches Szenario gewählt wird, gibt es somit unterschiedliche Ergebnisse, die alle bewertet und dargestellt werden.

Dennoch haben alle Szenarien gemeinsam, dass 1,5 °C ohne drastische und sofortige Maßnahmen mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 % in den frühen 2030er Jahren erreicht werden könnten.

Aus dem Bericht geht hervor, dass in Zukunft durch den menschengemachten Klimawandel mit mehr Hitzewellen, Dürren und intensiveren Regenfällen zu rechnen ist. Einzelne Wetterereignisse dem Klimawandel zuzuordnen ist schwierig, aber der Bericht stellt klar, dass sich solche Ereignisse häufen werden und dass bereits jetzt in allen Regionen auf der Erde Auswirkungen des Klimawandels spürbar sind.

Außerdem wird das Eis weiter abschmelzen, mehr Permafrost auftauen und der Meeresspiegel ansteigen. Zudem sinkt auch die Aufnahmekapazität der Kohlenstoffsenken, wie zum Beispiel die der Ozeane oder auch Wälder. Normalerweise puffern solche Senken zum Teil den CO2 Ausstoß (mehr Infos zum Beispiel hier), aber mit mehr Treibhausgasemissionen nehmen die Senken weniger auf, werden also weniger effizient. Alle Folgen ziehen weitere Auswirkungen nach sich.

Was kann in der Region um das Klimahaus herum erwartet werden?

In Zukunft wird es wärmer, Hitzewellen an Land und im Ozean, sowie Starkregenereignisse werden häufiger und intensiver, während zeitgleich die Anzahl der Frosttage abnimmt. Aufgrund der Nähe zur Küste und des Starkregens, ist in der Region auch stärker mit Überflutungen zu rechnen.

Was bedeutet das jetzt alles?

Jetzt bloß nicht die Hoffnung verlieren, denn aus den schlechten Nachrichten lassen sich auch gute Nachrichten ziehen:

  1. Der menschengemachte Klimawandel kann nicht mehr angezweifelt werden.
  2. Der Klimawandel und viele Zusammenhänge wurden verstanden und sind greifbarer.
  3. Somit sind auch Gegenmaßnahmen besser untersucht und klarer.
  4. Aktuell wird so viel für den Klimaschutz getan wie nie zuvor.

Die vielleicht wichtigste und beste Nachricht lautet, dass noch alles drin und die Zukunft noch nicht festgeschrieben ist. Aber es sollte damit aufgehört werden zu diskutieren, ob und wann 1,5 °C erreicht werden. Denn es sieht alles danach aus, dass diese Temperaturmarke erreicht wird. Wahrscheinlich werden die 1,5 °C auch mal temporär überschritten, aber das bedeutet nicht, dass damit gleich das Pariser Klimaziel gescheitert ist.

Es geht also darum, „wie“ und ob die Temperatur stabilisiert werden kann, da ansonsten auch 3 °C oder 4 °C globale Erderwärmung möglich sind, mit deutlich schwerwiegenderen Folgen. Deswegen gilt es jetzt um jedes Zehntelgrad zu kämpfen und die Treibhausemissionen drastisch zu reduzieren. Am besten sofort.

Im Februar und März 2022 werden die Ergebnisse von WG II und WG III vorgestellt.

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Der gesamte Report und Zusammenfassungen können hier runtergeladen werden und und hier gibt es einen interaktiven Atlas, wo die verschiedenen Szenarien an unterschiedlichen Orten der Erde durchgespielt werden können.

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