Wetterextreme

Pablo der Außenseiter

Am vergangenen Sonntag (27. Oktober) passierte über dem Nordatlantik etwas vollkommen Unerwartetes: Ein Sturm namens Pablo entwickelte sich zu einem Hurrikan. Die Besonderheit: Sein Zentrum lag nur etwa 700 Kilometer von Portugal entfernt. So weit nördlich hat sich seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erst ein einziger tropischer Wirbelsturm gebildet – im Jahr 1971 vor der nordamerikanischen Küste – und so nah an Europa gab es das bisher noch nie.

Hurrikan Pablo war auch insofern eine überraschende Ausnahme, dass er gar nicht hätte entstehen dürfen: Die Meeresoberfläche war mit etwa 18 Grad eigentlich viel zu kalt. Wie in einem früheren Beitrag in diesem Blog beschrieben, muss das Wasser mindestens 26 Grad warm sein, damit ein Sturm über dem Ozean genug Fahrt aufnehmen kann, um Windgeschwindigkeiten über 118 km/h und damit Hurrikan-Stärke zu erreichen.

Doch Pablo ignorierte diese ganze Theorie und bildete sich innerhalb eines größeren, außertropischen Sturmtiefs. Kalte Höhenluft sorgte für eine extrem instabile Schichtung der Atmosphäre, wodurch trotz der relativ kühlen Temperaturen heftige Regenschauer und Gewitter am Auge des Sturms entstehen und Pablo mit zusätzlicher Energie versorgen konnten. Außerdem wurde Pablos Entwicklung durch eine sehr geringe Windscherung begünstigt, das heißt es drohte keine Gefahr durch Winde, die den neu entstehenden Hurrikan wieder „auseinanderpusten“ konnten.

Der Hurrikan Pablo war verhältnismäßig klein, ist nie über die schwächste Hurrikan-Kategorie 1 hinausgekommen und wurde schon nach wenigen Stunden zu einem normalen Sturmtief zurückgestuft. Trotzdem geht er in die Geschichte ein als der erste Hurrikan, der vor der Küste Europas beobachtet wurde.

Pablo der Außenseiter
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