Klimapolitik und Wissenschaft

Schweizer Gletscher schrumpfen

(Quelle: pixabay.com | suju)


Nächste Woche wird ein neuer Sonderbericht des Weltklimarates veröffentlicht. Er beschäftigt sich mit den Ozeanen und den Eisvorkommen auf der Erde, Antarktis, Grönland und die Gebirgsgletscher. Einige der wissenschaftlichen Veröffentlichungen, auf denen der Bericht basiert, zeichnen schon jetzt ein trauriges Bild für die Gletscher in Europa und damit auch der Schweiz. Besonders in tieferen Lagen nimmt die Schneemenge ab. Dies führt zusammen mit den deutlich gestiegenen Temperaturen dazu, dass bei den Gletschern inzwischen deutliche Eisverluste zu beobachten sind. Zwischen 1973 und 2010 hat die Gletscherfläche in der Schweiz um 28 % abgenommen.

Eisverlust hat sich beschleunigt

Obwohl einige Gletscher noch bis in die 90er Jahre Phasen hatten, in denen sie gewachsen sind, ist der Rückgang in Messungen der letzten 10 Jahren auffällig. Inzwischen ist der Rückgang auch mit bloßem Auge zu sehen. „In den letzten fünf Jahren sehen wir einen deutlichen Rückgang“, so Josef Schuler, Gemeinderat im Schweizer Isenthal, gestern bei seinem ersten Besuch im Klimahaus Bremerhaven 8° Ost. „In größeren Skiregionen wird versucht, die Gletscher im Sommer mit weißem Vlies abzudecken, um die Schmelze zu verzögern, aber das ist nur mittelfristig erfolgreich.“

Josef Schuler, Gemeinderat im Schweizer Isenthal, besuchte im September das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost

Zukünftige Entwicklung

Dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen. Kleine Gletscher werden völlig verschwinden, aber auch große Gletscher könnten 90 % ihrer Masse verlieren. Der Prozess verstärkt sich dabei selbst, denn Gletschereis reflektiert Sonnenstrahlung, während blankes Gestein sie aufnimmt, und sich damit noch stärker erwärmt. Auch bei einer schnellen Begrenzung der Treibhausgasemissionen sind daher große Verluste zu erwarten. Das wirkt sich nicht nur auf den Skitourismus auf Gletschern aus, sondern schließlich auch auf die Wasserversorgung, besonders im Sommer. Gletscher speichern Schnee, der dann nicht im Frühling mit der großen Schneeschmelze in die Flüsse gelangt, sondern langsam über den Sommer. Dies betrifft neben der Alpenregion auch viele weitere Länder, da die großen europäischen Ströme, Rhein, Donau, Rhone und Po, mit Wasser aus den Alpen gespeist werden. Auch die Stromerzeugung durch Wasserkraft, eine wichtige erneuerbare Energiequelle, kann dadurch beeinträchtigt werden. Wenn Hitze- und Dürreperioden wie bereits in den vergangenen Jahren vermehrt auftreten, droht sich die Lage zu verschlimmern.  Die starken Differenzen in den Ergebnissen von Niederschlagsprognosen machen eine Vorhersage allerdings schwierig.

Schweizer Gletscher schrumpfen
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