Klimapolitik und Wissenschaft

Startschuss der UN-Ozeandekade

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Ein Urlaubsparadies klingt für viele ungefähr so: Sandstrand, Palmen, ein hellblauer und warmer Ozean, voller bunter Fische und anderer Meerestiere, die – ausgestattet mit einem Schnorchel und Taucherbrille – leicht zu beobachten sind. So wie vor der Küste Samoas, eine unserer Reisestationen im Klimahaus. Samoa ist ein kleiner Inselstaat im pazifischen Ozean und von dem kühlen Nass abhängig, nicht nur aufgrund von Fischerei als Nahrungsquelle. Allerdings bekommen die Menschen vor Ort schon heute die Auswirkungen des Klimawandels auf den Ozean zu spüren. Der Meeresspiegel steigt und die Meerestiere leiden unter einem wärmeren und saureren Ozean. Aufgrund dieser verheerenden Entwicklung startete Anfang 2021 die UN-Ozeandekade.

Bedeutung der Meere und Ozeane

Die Erde wird oft als blauer Planet bezeichnet, da bis zu 70 % der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt ist und aus dem All betrachtet wie eine blaue Kugel erscheint. Wasser ist ist nicht nur als direkte Trinkwasser- und Nahrungsquelle essenziell für unsere Existenz als Menschen, sondern sichert als Transportweg auch unsere Versorgung mit Nahrungsmitteln und weniger lebensnotwendiger Dinge, wie Konsumgüter.

In den Meeren und Ozeanen produzieren kleine Mikroalgen, Algen und Seegräser, die in dem obersten lichtdurchfluteten Bereich Photosynthese betreiben, den so wichtigen Sauerstoff. Da während der Photosynthese CO2 gebunden wird, helfen die Meere und Ozeane unser Klima zu stabilisieren. Sie sind der größte CO2-Speicher des Planeten und haben bis jetzt ungefähr 30 % des von Menschen ausgestoßenen CO2 aufgenommen. Deswegen gelten die Ozeane auch als „Kohlenstoffsenken“.

CO2 wird aber nicht nur direkt bei der Photosynthese verbraucht, sondern im Wasser auch natürlich gelöst und durch verschiedene chemische Prozesse umgewandelt. Gelöstes CO2 wird mittels Ozeanströmungen durch die gesamte Wassersäule transportiert. So gelangt es bis in große Wassertiefen, wo Kohlenstoff über sehr lange Zeiträume verweilen kann und aus dem globalen System vorläufig „entfernt“ wird. Theoretisch könnten die Meere und Ozeane also den menschengemachten Klimawandel bremsen.

Eine weitere positive Eigenschaft des Wassers ist die Fähigkeit zum Ausgleich von Temperaturen. Die Meere speichern und transportieren Energie. Das merken alle, die in der Nähe einer Küste wohnen. Ein Beispiel: Im Vergleich zu Bremerhaven, wo die Weser in die Nordsee mündet, ist es in Bremen nachts meist kälter und tagsüber wärmer, da das Wasser bzw. in diesem Fall die Weser die Wärme aufnimmt und verlangsamt wieder abgibt.

Gefährdeter Blauer Planet

Allerdings hat die Menschheit auch vor diesem Ökosystem keinen Halt gemacht, so dass die Meere und Ozeane in vielerlei Hinsicht stark gefährdet sind.

Laut des WWF gelten 33 % der zu fischenden Bestände als überfischt und 60 % als maximal genutzt.  Diese Anteile werden mit zunehmender Weltbevölkerung voraussichtlich weiter steigen. So werden nicht nur Nahrungsketten zerstört, sondern durch die Anwendung von Schleppnetzen wird auch der Meeresboden durchwühlt. Diese Fangmethode führt somit zusätzlich zu der Zerstörung von Lebensräumen, auch zu der erneuten Freisetzung von CO2, welches zuvor im Meeresboden lagerte.

Auch wenn „Kohlenstoffsenke Ozean“ theoretisch gut klingt, ist das praktisch fatal. Die Meere werden durch die CO2-Aufnahme saurer. Das bedeutet, dass der pH-Wert sinkt, was einen großen Einfluss auf die Organismen im Meer hat. Korallen, aber auch andere Tiere mit Kalkgehäuse wie Muscheln, werden bedroht. Zusätzlich problematisch ist, dass durch den Klimawandel die Meere und Ozeane wärmer werden. CO2 löst sich besser in kaltem Wasser, demgemäß hat wärmeres Wasser eine geringere sogenannte CO2 Aufnahmekapazität. Die Kohlenstoffsenke Ozean wird in Zukunft also schlechter „arbeiten“ und CO2 zurück in die Atmosphäre ausgasen.

Die globale Erwärmung infolge des Klimawandels führt auch zum Abschmelzen der Eisschilde. Die erste und augenscheinlichste Folge ist der Meeresspiegelanstieg, was direkt Menschen in Küstenregionen bedroht. Da Eis aus Süßwasser besteht, führt dieser Eintrag ebenfalls zu einer Veränderung der Ozeanströmungen. Eine Gefährdung für das Ozeansystem und dadurch auch für das globale Klimasystem.

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Zusätzlich ist unser blauer Planet stark verschmutzt. Durch die Menschen werden Schadstoffe und Plastik eingetragen, welche durch die Flüsse in die Meere gelangen und so Wassertiefen von mehr als 10.000 Metern erreichen. Außerdem verenden viele Meerestiere, da Plastik mit Nahrung verwechselt wird. Diese Problematik hat auf den ersten Blick nicht viel mit dem Klimawandel zu tun, aber wir brauchen gesunde Meere und Ozeane, um den Ozean als Klimastabilisator nicht weiter zu zerstören.

UN-Dekade für Ozeanforschung und der UN-Welttag der Ozeane

Um an die Bedeutung dieser Ökosysteme zu erinnern und um diese vermehrt zu schützen, startete am 1. Januar 2021 die internationale UN-Dekade für Ozeanforschung für nachhaltige Entwicklung. Bis 2030 soll nun vermehrt die Aufmerksamkeit und (finanzielle) Unterstützung in die Meereswissenschaften fließen. Dies wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen. Zudem „feierten“ wir letzte Woche am 8. Juni den Welttag der Ozeane, ebenfalls um die Menschheit an die Wichtigkeit dieser zu erinnern.

Das übergeordnete Ziel der globalen Kampagne ist, dass wir gemeinsam die Gewässer schützen und nachhaltig nutzen, durch mehr Meeresforschung und einem daraus resultierenden besseren Verständnis. Nach den offiziellen Zielen der UN-Ozeandekade brauchen wir einen

  1. sauberen
  2. gesunden und widerstandsfähigen
  3. produktiven
  4. vorhersehbaren
  5. sicheren
  6. zugänglichen
  7. und inspirierenden

Ozean. Nicht nur, damit der pazifische Ozean um das paradiesische Samoa auch außerhalb des Klimahaus erhalten bleibt, sondern alle Gewässer. Für uns und das Klima.

Für mehr Informationen: https://ozeandekade.de/

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