Geschichten des Gelingens

Wenn die Wüste auf einen grünen Zweig kommt

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Eine Wüste ist bekanntermaßen trocken und bietet kaum Schutz vor der Sonne. Diese Tatsache wird noch verstärkt, wenn die Menschen vor Ort gezwungen sind weitere Bäume abzuholzen und die Wüste damit weiter vergrößern. Bäume sind allerdings essentiell um die Lebensbedingungen zu verbessern. Sie bieten Schatten und helfen, dass Regen langsamer verdampft und nicht nur oberflächig abfließt. Eine Möglichkeit diese Situation zu verbessern heißt „Farmer Managed Natural Regeneration“ (dt.: von Landwirten verwaltete natürliche Regeneration).

DIE SAHELZONE

Grafik: shutterstock.com | Rainer Lesniewski

Die Sahelzone befindet sich an der südlichen Grenze der Sahara und schlängelt sich einmal durch sieben Länder von West nach Ost über den afrikanischen Kontinent. Dort bestimmt tropisches Wechselklima das Wetter: Während der Regenzeit ergrünt die Region und die Landwirtschaft ist ertragreich. In den anschließenden Trockenperioden trocknen die Flüsse aus und es kann zu mehrjährigen Dürreperioden kommen.

DER KLIMAWANDEL IST DA

Während sich die Vegetation normalerweise stets von den trockenen Zeiten erholt hat, wird die Regeneration durch dem Klimawandel erschwert. Der Niederschlag schwankt stark und die Dürreperioden werden extremer und länger. Zusätzlich ist es dort durchschnittlich bereits 0,6 bis 0,8 Grad heißer geworden. Es kommt zur Desertifikation, der Ausdehnung von Wüstenregionen.

Neben den langen Dürreperioden ist ein weiterer Grund für die Wüstenbildung zusätzlich die übermäßige Nutzung der Ökosysteme. Die Landwirtschaft betreibenden Personen müssen ihre Ackerflächen immer weiter vergrößern, um gegen das Bevölkerungswachstum und die sinkenden Erträge zu steuern. Damit dies überhaupt möglich ist, roden die Menschen vor Ort die kargen Bäume und Sträucher, häufig durch Feuer. Danach stehen zwar zusätzliche Ackerflächen zur Verfügung, allerdings sind diese meist weniger ertragreich. Die traditionelle Feldwechselwirtschaft ist anfällig für die Folgen des Klimawandels und müsste an die veränderten Bedingungen angepasst werden.

Diese ausgedehnte Landwirtschaft, Überweidung, Rodung und das zusätzliche Bevölkerungswachstum führen zu einer Verschlechterung des Bodens, der Zunahme von Bodenerosion und der Tatsache, dass Wasser nach den Regenfällen nur oberflächig abfließt und nicht versickert. Ein Teufelskreis, da dies zu einer Verschärfung des Problems führt.

DER MANN, DER EINE BEWEGUNG IN GANG SETZTE

Der Australier Tony Rinaudo ist Agrarexperte und unterstützt die Menschen in gefährdeten Regionen bei der Bearbeitung ihrer ausgedörrten Ackerflächen. 2018 wurde er mit dem sogenannten Alternativen Nobelpreis für seine Arbeit ausgezeichnet.

Rinaudo startete seine Arbeit als Missionar mit Setzlingen zur Aufforstung, bis er 1982 im wahrsten Sinne des Satzes den Wald vor lauter Bäumen sah. Während einer Fahrt durch die staubige Sahelzone Nigers verstand er, dass es auf dem verbrannten Land zwar nicht direkt Bäume gab, aber Büsche. Die Gestrüppe sind Sprossen, die aus den ehemals gefällten Bäumen austreiben und sich ihren Weg an die Oberfläche bahnen. Rinaudo realisierte, dass es unter der trockenen Oberfläche einen riesigen unterirdischen Wald mit noch funktionierenden Wurzeln gab. Aber sobald die Sprossen aus der Erde einen Meter Höhe erreicht hatten, wurden die Büsche entweder als Feuerholz abgehackt oder verbrannt.

WIE KANN EINE AUFFORSTUNG IN DER WÜSTE FUNKTIONIEREN?

Nach seiner Erkenntnis entstand die Maßnahme FMNR: „Farmer Managed Natural Regeneration“, was so viel bedeutet wie „von Landwirten verwaltete natürliche Regeneration“. Rinaudo ist zwar nicht der Erfinder dieser Technik, aber er setzte eine Bewegung in Gang.

Der Agrarexperte erklärt den Menschen vor Ort, wieso Bäume wichtig für die Landwirtschaft sind und wie sie mit dem Gestrüpp verfahren sollen, anstatt dieses abzuholzen oder ihre Tiere darunter weiden zu lassen. Besonders ist die Art der Beschneidung. Dabei werden die stärkeren Sprossen gepflegt und die schwachen so beschnitten, dass die Energie der Bäume alleinig in die ohnehin schon stärkeren Sprossen geht. Dies darf allerdings auch nicht zu früh passieren, damit die zunächst noch schwachen Triebe weiter geschützt werden.

Der große Vorteil von FMNR ist, dass die Beschäftigten in der Landwirtschaft so ausgebildet und ermutigt werden, dass sie sich selbst helfen können und nicht von Hilfe oder Finanzierung durch Außenstehende abhängig sind. Es geht um einen Wandel von Traditionen und es wird das genutzt, was bereits da ist. Ohne Kosten kann dem Untergrund-Wald geholfen werden, zurück an die Oberfläche zu gelangen.

ERFOLG DER WIEDERAUFFORSTUNGSTECHNIK

Was in den 1980er Jahren einen erfolgreichen Anfang in Niger fand, wurde mittlerweile in mehr als 25 Ländern angewandt. Darunter sind mittlerweile nicht nur afrikanische Länder wie Somalia, Uganda, Mali oder Senegal, sondern auch asiatische, wie Indonesien und Indien. Darüber hinaus wurde die Einfachheit der Technik intuitiv auch in anderen Ländern ohne Rinaudos Einfluss erkannt und erfolgreich angewandt.

Im Niger sind 200 Millionen Bäume hinzugekommen. Damit ist Niger bislang das Land, wo die FMNR-Technik am erfolgreichsten angewandt wurde. Durch die Menschen konnte eine grünere Landschaft erschaffen werden.

Übrigens: Mehr über aktuelle Aufforstungsprojekte in Afrika lest ihr in dem Artikel „Ein Band der Hoffnung“ in unserem Ausstellungsmagazin 2021.

Wenn die Wüste auf einen grünen Zweig kommt
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