Wetterextreme

Wetter oder Klimawandel – Woran macht sich der Klimawandel tatsächlich bemerkbar?

Ist das noch Wetter, oder schon Klimawandel? Diese Frage stellen sich viele Menschen besonders bei Hitzewellen, wie wir sie in den vergangenen Wochen erlebt haben. Auch Starkniederschläge, die zu Überschwemmungen führen, oder langanhaltende Dürren führen dazu, dass vermehrt über den Klimawandel geredet wird.

Temperaturanstieg

Viele der Phänomene, die den Klimawandel ausmachen, werden von Wissenschaftlern beobachtet. Dazu müssen zuverlässige Messungen auf der ganzen Welt durchgeführt und auf sinnvolle Weise zusammengefasst werden. Die amerikanische Weltraumbehörde NASA veröffentlicht zum Beispiel die globale mittlere Lufttemperatur für jeden Monat erst in der Mitte des folgenden Monats. Die entsprechende Zahl ist aus den erlebten Temperaturen in einzelnen Regionen der Erde oft nicht nachvollziehbar. So war zum Beispiel − global gesehen − 2016 das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen, in Deutschland gab es aber mehrere Jahre, die wärmer waren, zum Beispiel 2018 und 2019.

Weniger Eis

Weitere langsam verlaufende Veränderungen sind die Zunahme der Wassertemperaturen in den Ozeanen, das Schmelzen von Gletschern und Eisschilden und der hauptsächlich aus diesen beiden Faktoren resultierende Anstieg des Meeresspiegels. Im Jahr 2019 hat der grönländische Eisschild mehr als 500 Milliarden Tonnen Eis verloren. Das entspricht einer Million Tonnen pro Minute über das ganze Jahr. Es ist außerdem etwa das Doppelte des mittleren jährlichen Eisverlusts seit 2003. Auch das Eis, das im Arktischen Ozean die Sonneneinstrahlung im Sommerhalbjahr übersteht, wird nach und nach weniger. In der Arktis sind die Auswirkungen des Klimawandels besonders spürbar, da sich die Region mindestens dreimal so schnell erwärmt wie die Erde im Mittel.

Veränderte Wetterlagen

Diese schnellere Erwärmung der Arktis hat sogar Auswirkungen auf unser Wetter. Denn dadurch schrumpft der Temperaturunterschied zwischen Arktis und unseren Breiten. Der sogenannte Jetstream, eine Höhenluftströmung, die unsere Wetterlagen bestimmt, wird durch diesen Temperaturunterschied angetrieben und deshalb schwächer. Wetterlagen können dadurch länger anhalten als früher. Der Sommer 2018 in Deutschland war ein eindrückliches Beispiel dafür.

Trotzdem ist es schwierig bis unmöglich, bei einzelnen Wetterlagen zu sagen, ob diese durch den Klimawandel hervorgerufen oder zumindest verstärkt wurden. Das geht am ehesten bei länger anhaltenden Wettersituationen, wie Hitzewellen oder Dürren. Ein relativ neues Forschungsgebiet, die sogenannte Attributionsforschung, widmet sich diesem Thema. Dabei wird mit Klimamodellen untersucht, wie viel wahrscheinlicher eine Wetterlage heute im wärmeren Klima ist als sie im Jahr 1900 gewesen wäre. Jüngstes Beispiel ist die Hitzewelle in Sibirien in der ersten Jahreshälfte. Sie ist durch den menschlichen Einfluss 600mal wahrscheinlicher geworden. Auch die Waldbrände in Australien im letzten Sommer waren durch den Klimawandel etwa 30 Prozent wahrscheinlicher, als sie 1900 gewesen wären. Beide Ereignisse sind aber auch im heutigen Klima extrem, das heißt sie werden nicht unbedingt jedes Jahr auftreten.

Temperaturrekorde

Ob ein einzelner Temperaturrekord durch den Klimawandel wahrscheinlicher wird, lässt sich nur schwer sagen. Es hat immer schon Temperaturrekorde gegeben. In einem stabilen Klima würden sie aber immer seltener, da die Temperatur immer höher steigen muss, um den vorherigen Hitzerekord zu brechen, oder immer tiefer sinken muss, um den vorherigen Kälterekord zu brechen. Die im August erschienene Sonderausgabe des „Bulletin of the American Meteorological Society“ zur Lage des Klimas 2019 zeigt jedoch, dass etwa seit den 1970er Jahren besonders hohe Temperaturen immer häufiger aufgetreten sind, besonders niedrige dafür immer seltener. Am 16. August wurde im Death Valley in den USA mit 54,4 °C die höchste Temperatur dort seit über einem Jahrhundert gemessen. Es gibt nur zwei noch nicht verworfene Lufttemperaturmessungen auf der Erde, die jemals höher waren. Beide werden jedoch in Zweifel gezogen: Eine aus dem Death Valley von 1913 wegen eines Sandsturms, der die Messung verfälscht haben könnte. Der andere ist von 1931 aus Tunesien und ist verdächtig, da zwischen 1920 und 1933 dort regelmäßig Temperaturen über 50 °C gemessen wurden, seitdem aber nicht mehr. Die neue Messung aus dem Death Valley wird nun eingehend überprüft.

Extremer Niederschlag

Neben Hitze und Dürre macht sich der Klimawandel auch durch extrem starke Niederschläge bemerkbar. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, so dass auch mehr Niederschlag fallen kann. Dass dies auch tatsächlich passiert lässt sich aber nur schwer beweisen. Langfristige Messungen des Niederschlags gibt es nur an meteorologischen Messstationen und nicht flächendeckend. Gerade bei extremen Gewittern ist der Niederschlag aber lokal begrenzt, und wird nicht unbedingt von einer Messstation erfasst. Erst ein Messnetz aus Wetterradar-Geräten, das es zum Beispiel in Deutschland etwa seit den 1990er Jahren gibt, macht die flächendeckende Beobachtung möglich.

Foto: Friedrich Haag / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

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