Geschichten des Gelingens

Wie erreichen wir am besten Paris?

Bei dieser Frage geht es natürlich nicht darum, während der Pandemie in die Stadt Paris zu kommen. Es soll darum gehen, wie wir, also alle Menschen, sicherstellen können, dass die globale Temperatur nicht um mehr als 1,5 °C gegenüber der vorindustriellen Temperatur ansteigt. Das ist das gemeinsame Ziel, das 2015 im Abkommen von Paris von allen Ländern der Welt beschlossen wurde.

Es gibt unendlich viele mögliche und notwendige Maßnahmen, damit dieses Ziel erreicht werden kann. Manche davon bringen mehr, andere weniger, manche kosten mehr, andere weniger. Einige grundlegende Technologien dafür gibt es bereits seit langer Zeit, andere sind noch recht neu, manche müssen noch entwickelt werden.

Spätestens bis 2050 muss die Welt klimaneutral sein

Lange Zeit ging es bei diesen Maßnahmen darum, einen gewissen Anteil der Treibhausgasemissionen einzusparen. Die Bundesregierung stellte zum Beispiel das Ziel auf, bis zum Jahr 2020 40 % der Emissionen gegenüber 1990 einzusparen. Im Jahr 2018 erschien jedoch ein Bericht des Weltklimarates, der zum ersten Mal einen Zeithorizont gesetzt hat, bis zu dem die Welt klimaneutral sein muss. Spätestens bis zum Jahr 2050 müssen die gesamten weltweiten Treibhausgasemissionen so gering sein, dass sie vollständig von natürlichen Ökosystemen aufgenommen werden. Das heißt aber auch, dass nun so schnell wie möglich alle denkbaren Maßnahmen ergriffen werden müssen, um CO2-Emissionen zu vermeiden.

Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-emission-von-treibhausgasen#die-wichtigsten-fakten

Bisher Erreichtes

Die Entwicklung der Treibhausgase in Deutschland von 1990 bis 2019 ist in dieser Grafik des Umweltbundesamtes dargestellt. Bis 2020 sollten die Emissionen gegenüber 1990 um 40 % sinken, was auch dank kleiner Fortschritte seit 2016 und insbesondere der Corona-Pandemie anscheinend gelungen ist. Die endgültigen Zahlen für 2020 sind aber noch nicht veröffentlicht. Der Blick in die Zukunft zeigt aber auch welche Anstrengungen noch notwendig sind. Seit 1990 sind 30 Jahre vergangen, in denen die Emissionen mit Mühe und Not um 40 % gesenkt werden konnten, und in diesen 40 % steckt der Zusammenbruch der ehemaligen DDR-Industrie und eine Weltwirtschaftskrise 2008. In den nächsten 30 Jahren müssen wir die Emissionen praktisch auf Null bringen.

Verkehr

Besonders wenig ist seit 1990 im Verkehrssektor passiert. Die Motoren sind zwar effizienter geworden, aber es gibt immer größere PKW und es werden auch größere Strecken zurückgelegt. Neue Konzepte des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs gibt es in Deutschland nur vereinzelt, und der Umstieg auf Elektrofahrzeuge verläuft schleppend. Außerdem müssten sie mit Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben werden, um einen wesentlichen Beitrag zu leisten. 

Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge und der Fernverkehr zeigen auch, dass persönliche Entscheidungen für klimafreundliche Alternativen trotz finanzieller Kaufanreize ausbleiben, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Es gibt noch keine Ladeinfrastruktur, die insbesondere Menschen in Städten die Entscheidung für ein Elektrofahrzeug erleichtern würde. Auch bei der Bahn reicht es nicht, die Preise zu senken, wenn zumindest vor Corona Verspätungen und Zugausfälle an der Tagesordnung waren. Immerhin gibt es inzwischen Pläne für die Einführung eines Deutschlandtaktes, der Zugverbindungen zwar nicht unbedingt schneller, aber dafür zuverlässiger machen würde. Trotz geplanter Radschnellwege schreitet auch der Ausbau der Radwegnetze in vielen Regionen nur schleppend voran. Dabei zeigen die benachbarten Niederlande und Dänemark, wie viel besser es schon längst sein könnte.

Diese Beispiele zeigen, dass umfassende Konzepte auch aus der Politik notwendig sind, um individuelle Entscheidungen in die richtige Richtung zu erleichtern. Das gilt auch für alle anderen Sektoren. Insbesondere die Industrie fordert seit langem klare Regeln, die auch strenger sein dürfen als bisher, so lange sie für alle Wettbewerber gleich sind. Im Gegensatz dazu gibt es immer noch Subventionen, die klimaschädliches Wirtschaften sogar belohnen.

Sektorenkopplung

Kompliziert wird die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen dadurch, dass nicht einfach fossile Brennstoffe durch andere Stoffe ersetzt werden können. Bei der Stromerzeugung ist das noch relativ einfach. Statt aus Kohle oder Gas, kann Strom mit Hilfe von Solaranlagen und Windrädern erzeugt werden. Fossile Brennstoffe werden aber auch direkt eingesetzt, wie zum Beispiel in Autos, Heizungen, aber auch in der Stahlproduktion. Wenn sie dort durch Strom aus erneuerbaren Quellen ersetzt werden sollen, ohne dass gleichzeitig Konzepte entwickelt werden, den Energieverbrauch stark zu senken, werden wir viel mehr Strom produzieren müssen als bisher.

Es gibt zum Beispiel schon lange funktionierende Passivhäuser, oder sogar Häuser, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen. Trotzdem ist es noch erlaubt, neue Einfamilienhäuser zu bauen, die externe und häufig fossile Energie verbrauchen. Und diese Häuser sollen ja auch nicht in 30 Jahren abgerissen werden. Dazu kommt noch ein umfangreicher Altbestand, der eigentlich saniert werden müsste. Dafür fehlt aber bei vielen Privateigentümern das Geld und für eine höhere Geschwindigkeit beim Sanieren auch die Handwerksbetriebe.

Außerdem müssen Strukturen geschaffen werden, die es erlauben, den Stromverbrauch an die vom Wetter abhängige Produktion anzupassen. Dazu gehören neben Stromspeichern zum Beispiel auch grundlegende Änderungen von industriellen Prozessen.

Fazit

Durch die riesige Aufgabe, die in relativ kurzer Zeit erfüllt werden muss, ist es also eher zweitrangig, welche Maßnahme zur Einsparung von Treibhausgasemissionen wie viel bringt. Wir müssen jede Maßnahme ergreifen, die jetzt schon durchführbar ist. Gleichzeitig müssen wir neue Technologien und Konzepte entwickeln, die weitere Einsparungen ermöglichen. Gerade Bauwerke und Infrastrukturprojekte sind für eine Nutzungsdauer über 30 Jahre ausgelegt. Neue Bauwerke dürfen also längst der zukünftigen Klimaneutralität nicht im Wege stehen. Und es ist schon jetzt nicht mehr sinnvoll, einen Neuwagen mit Verbrennungsmotor zu kaufen.

Wie erreichen wir am besten Paris?
Bewerte diesen Beitrag

0 Kommentare

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über Ihren Beitrag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>